KI in der Produktion: wo sie im Mittelstand hilft

Jan Stolz · aktualisiert im November 2026 · 4 Minuten Lesezeit

Wie weit KI in der Fertigung schon verbreitet ist

Das Statistische Bundesamt meldet für 2025, dass 26 Prozent der Unternehmen KI-Technologien nutzen. Bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten sind es 23 Prozent, bei 50 bis 249 Beschäftigten 36 Prozent. Die Zahlen sagen allerdings nichts darüber, wofür. Im Mittelstand geht es selten um Roboter, die sich selbst steuern. Es geht um Schreibarbeit rund um die Fertigung.

Genau dort liegt der brauchbare Einstieg. Die Maschine läuft wie bisher. Die KI liest Daten und schreibt Dokumente.

Typische Anwendungen lassen sich in drei Gruppen ordnen. Dokumente schreiben, Dokumente lesen und zuordnen, Fragen aus Dokumenten beantworten. Alle drei arbeiten mit Texten und Tabellen, die ohnehin entstehen. Deshalb braucht es keine neue Sensorik und keinen Eingriff in Ihre IT, wenn Messwerte als Datei oder Formular vorliegen.

Prüfprotokolle ohne Abtippen

In vielen Betrieben stehen die Messwerte zuerst auf einem Zettel oder in einer Exportdatei und landen später im Protokollformular. Das kostet Zeit und erzeugt Zahlendreher. Ein Agent kann die Werte aus der Datei oder aus einer Sprachnotiz übernehmen, das Protokoll nach Ihrer Vorlage füllen und Werte nahe der Toleranzgrenze markieren.

Gültig wird das Protokoll erst mit der Unterschrift Ihrer Prüfkraft. Der Agent erfindet keine Messwerte. Fehlt eine Angabe, meldet er die Lücke, bevor das Dokument abgelegt wird.

Ein Beispiel aus der Qualitätssicherung wäre die Messung einer Welle. Der Prüfer spricht die Durchmesser ein, der Agent trägt sie in die Vorlage ein und meldet, dass ein Wert knapp unter der Obergrenze liegt. Die Prüfkraft schaut genauer hin, misst nach und entscheidet. Das Nachmessen bleibt Handarbeit, das Abtippen entfällt.

Schichtübergabe, die ankommt

Was die Frühschicht bemerkt hat, erfährt die Spätschicht oft per Zuruf. Ein Agent sammelt Störmeldungen, Stückzahlen und Notizen und schreibt daraus eine kurze Übergabe. Ein Beispiel aus einer Metallverarbeitung wäre ein Werkzeugwechsel, zwei Störungen an Anlage 3 und ein Hinweis zur Kühlmittelmenge, alles auf einer halben Seite.

Die Schichtleitung liest, ergänzt einen Satz und gibt frei. Der Gewinn zeigt sich bei Störungen, die sich wiederholen. Der Agent kann die aktuelle Meldung mit früheren Fällen verknüpfen, sodass die Spätschicht die Vorgeschichte sofort sieht.

Die Übergabe sollte kurz bleiben, denn am Schichtende liest niemand Seiten. Bewährt hat sich ein fester Aufbau mit Stückzahl, Störungen, offenen Punkten und Hinweisen für die nächste Schicht. Diesen Aufbau legen Sie fest, und der Agent hält sich daran.

Wissen aus Wartungsberichten abrufbar machen

In jedem Werk gibt es einen Kollegen, der weiß, wie Anlage 3 nach einem bestimmten Fehler wieder anläuft. Geht er in Rente, fehlt dieses Wissen. Liegen Wartungsberichte, Anleitungen und Störungsprotokolle digital vor, kann ein Agent Fragen daraus beantworten und die Quelle dazu nennen.

Wichtig ist die Regel, dass der Agent bei fehlender Quelle sagt, dass er es nicht weiß. Eine Antwort ohne Beleg hilft an einer Anlage niemandem.

Sehen Sie sich den Datenbestand vorher an. Handschriftliche Berichte lassen sich einscannen und lesen, doch je schlechter die Vorlage, desto öfter fragt der Agent nach. Ein Probelauf mit zehn echten Berichten zeigt schnell, wie gut er Ihre Sprache und Ihre Abkürzungen versteht.

Wo die Grenze verläuft

Sobald KI in Sicherheitsfunktionen einer Maschine eingreift, wird es rechtlich anspruchsvoll. Die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt grundsätzlich ab dem 20. Januar 2027 und ersetzt die Maschinenrichtlinie. Maschinen mit selbstlernendem Verhalten, die Sicherheitsfunktionen übernehmen, gelten nach der Darstellung der IHK Halle als Hochrisiko-Maschinen und brauchen eine unabhängige Prüfung. Wer eine Maschine wesentlich ändert, wird selbst zum Hersteller.

Für einen Betrieb, der Maschinen nur einsetzt, heißt das ganz praktisch, dass Steuerung und Sicherheitstechnik tabu bleiben. Lesender Zugriff auf Protokolle und Berichte berührt diese Regeln nicht. Das ist keine Rechtsberatung. Ob bei einer bestimmten Anlage doch ein Eingriff vorliegt, klären Sie mit Ihrer Sicherheitsfachkraft oder dem Maschinenhersteller.

Verlangt ein Kunde oder ein Zertifikat bestimmte Nachweise, gelten diese Anforderungen unverändert. Der Agent bildet Ihre Vorlage ab. Ein Audit ersetzt er nicht, und eine Freigabe durch Ihre Qualitätsverantwortlichen ersetzt er auch nicht.

Ob es sich für Ihren Betrieb lohnt

Rechnen Sie nach, wie viele Protokolle und Berichte pro Woche entstehen und wie viele Minuten jedes davon kostet. Bei mehreren pro Tag lohnt sich die Automatisierung schnell. Bei Einzelfertigung mit wenig Papier lohnt sie sich eher nicht.

Mit dem Betriebs-Check finden Sie in zwei Minuten heraus, welche Schritte bei Ihnen wiederkehren. Alles Weitere, auch die Frage der Datenhaltung auf einem eigenen Rechner im Betrieb, klären wir im Analyse-Tag.

Schichtberichte enthalten Namen und Beobachtungen zu Personen. Gibt es bei Ihnen einen Betriebsrat, sprechen Sie vorab darüber, was der Agent liest und schreibt. Das beugt Misstrauen vor und kostet im Vorfeld nur ein Gespräch.

Häufige Fragen

Darf KI in die Maschinensteuerung eingreifen?

Technisch ist vieles möglich, rechtlich wird es mit der Maschinenverordnung ab Januar 2027 für Sicherheitsfunktionen streng. In einem kleinen Betrieb empfiehlt sich der Weg über Dokumente und Auswertungen. Die Steuerung bleibt unberührt.

Reichen meine Wartungsberichte als Wissensbasis?

Wenn sie digital vorliegen, auch als PDF oder Scan, ja. Je einheitlicher die Berichte aufgebaut sind, desto besser findet der Agent die passende Stelle.

Wer haftet für ein falsch ausgefülltes Protokoll?

Die Freigabe bleibt bei Ihrer Fachkraft. Der Agent liefert einen Entwurf mit markierten Auffälligkeiten, unterschrieben wird erst nach der Prüfung.

Lohnt sich das bei kleinen Stückzahlen?

Das hängt am Papieraufwand. Die Stückzahl spielt kaum eine Rolle. Fallen wöchentlich mehrere Protokolle oder Berichte an, lohnt es sich meist. Bei sehr wenig Dokumentation eher nicht.

Lieber kurz reden?

Ich sage Ihnen in 30 Minuten, ob sich das bei Ihnen lohnt.