Was KI in der Logistik gut kann und was nicht
Das Statistische Bundesamt meldet für 2025, dass 26 Prozent der Unternehmen KI nutzen. In der Logistik ist der naheliegende Einsatz das Verarbeiten von Text und Dokumenten. Ein Sprachmodell liest Mails, PDFs und Excel-Anhänge in jedem Layout und macht daraus strukturierte Daten.
Die Tourenplanung selbst ist ein Rechenproblem, für das es seit Jahren spezialisierte Software gibt. Ein Sprachmodell ersetzt sie nicht. Ein Agent kann aber die Daten liefern, mit denen Ihre Disposition plant.
Praktisch arbeitet der Agent an drei Stellen. Er liest, was von außen kommt, gleicht es mit Ihren Daten ab und schreibt einen Entwurf, den ein Mensch freigibt. Mit Fahrern, Fahrzeugen und Routen hat er nichts zu tun. Diese Trennung hält das Risiko klein und den Nutzen gut messbar.
Lieferavis in jedem Format
Lieferanten kündigen Ware per Mail, als PDF oder als Excel-Liste an, manche am Telefon. Jemand liest das und trägt die Ankunft in den Rampenplan ein. Ein Avis-Agent erledigt das Lesen, gleicht Menge und Termin mit der Bestellung ab und markiert Überschneidungen am Tor.
Ein Beispiel aus einer Disposition wären drei Avise über Nacht und eine Überschneidung um 10 Uhr, die um 6:40 Uhr bereits markiert ist. Terminänderungen an Lieferanten gehen erst nach Ihrer Freigabe raus.
Besonders nützlich ist das bei Lieferanten, die nie dasselbe Format schicken. Ein Modell muss nicht für jeden Lieferanten eine eigene Vorlage lernen. Es versteht Spalten wie Menge, Artikel und Termin auch bei wechselnden Überschriften. Bei Zweifeln, etwa einer unklaren Mengenangabe, fragt es nach, bevor es etwas einträgt.
Sendungsanfragen ohne Nachschlagen
Kunden fragen mehrmals am Tag, wo ihre Ware ist. Jede Auskunft heißt nachschauen, antworten und eintragen. Ein Agent erkennt die Statusfrage, sucht Auftrag und Sendung heraus und schreibt einen Antwortentwurf mit den Fakten.
Gesendet wird nach Freigabe. Später können Sie für klare Standardfälle festlegen, dass bestimmte Auskünfte direkt rausgehen. Das entscheiden allein Sie und nehmen es jederzeit zurück.
Rechnen Sie mit einem einfachen Maß. Anfragen pro Tag mal Minuten pro Auskunft ergibt die Zeit, die Ihre Disposition mit Nachschauen verbringt. Liegt das Ergebnis über einer Stunde, lohnt der Blick auf eine Automatisierung. Darunter genügen oft ein Link zur Sendungsverfolgung und eine gute Textvorlage.
Wichtig ist ein einheitlicher Wortlaut. Nennen Sie Kunden dieselben Statusbezeichnungen wie intern, sonst entstehen Rückfragen, die der Agent nicht verhindern kann.
Lieferscheine und Abliefernachweise zuordnen
Lieferschein, Frachtbrief und Auftrag liegen an verschiedenen Orten. Fehlt eine Unterschrift oder eine Menge, fällt das oft erst bei der Rechnung auf, wenn der Fahrer längst weg ist. Ein Dokumenten-Agent liest die Papiere, ordnet sie dem Auftrag zu und meldet Lücken, solange die Ware noch am Tor steht.
Bei unleserlichen Scans markiert er die Stelle und fragt nach, statt zu raten.
Ein Beispiel vom Wareneingang. Auf einem Lieferschein fehlt die Menge, der Fahrer wartet noch am Tor. Der Agent weist die Disponentin darauf hin, bevor der Fahrer wieder losfährt, und eine Rückfrage beim Lieferanten lässt sich sofort starten. Ohne diese Prüfung fiele es erst bei der Rechnung auf.
Der elektronische Frachtbrief kommt, Papier bleibt erlaubt
Die EU-Verordnung 2020/1056 (eFTI) gilt in vollem Umfang ab dem 9. Juli 2027. Von da an müssen Behörden gesetzlich vorgeschriebene Frachtinformationen akzeptieren, die über zertifizierte Plattformen elektronisch übermittelt werden. Eine Pflicht für Unternehmen besteht laut Bundesverkehrsministerium nicht. Die Papierform bleibt weiterhin möglich.
Für Sie heißt das, dass sich Betriebe mit sauberen digitalen Daten später leichter anschließen. Wer Lieferdaten heute schon strukturiert erfasst, hat dann weniger umzustellen.
Auch das Lager profitiert indirekt. Stehen Avise und Lieferscheine sauber im System, stimmen Erwartung und Bestand besser überein, und Rampen werden seltener doppelt belegt. Die Inventur oder eine Lagerverwaltung ersetzt der Agent nicht.
Wer Frachtdaten heute schon strukturiert erfasst, etwa Abmessungen, Gewichte und Empfängerdaten in einheitlichen Feldern statt in Freitext, tut sich später mit einer Plattformanbindung leichter. Ein Agent kann aus alten Papieren solche Felder ziehen und so den Bestand aufbereiten.
Was bei Menschen bleibt
Zollanmeldungen und andere rechtlich verbindliche Dokumente erstellt ein Agent nicht. Er prüft Begleitpapiere auf Vollständigkeit, die Verantwortung bleibt bei Ihnen oder Ihrem Spediteur. Auch die Planung der Rampen und Touren bleibt bei der Disposition.
Im Betriebs-Check sehen Sie in zwei Minuten, ob bei Ihnen vor allem Avise, Anfragen oder Papiere Zeit fressen. Das ist meist ein guter Startpunkt für den Analyse-Tag.
Wer Daten in ein externes System gibt, braucht einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Auf Wunsch läuft die Verarbeitung auf einem Rechner in Ihrem Haus, sodass Sendungsdaten Ihr System nur verlassen, wenn Sie eine Antwort freigeben.