KI für Handwerker: fünf Aufgaben, die heute schon gehen

Jan Stolz · aktualisiert im November 2026 · 4 Minuten Lesezeit

Wo das Handwerk bei KI steht

Eine Bitkom-Umfrage unter 504 Handwerksbetrieben vom Sommer 2025 zeigt, dass erst 4 Prozent KI einsetzen und 9 Prozent es planen. Nur 29 Prozent haben Mitarbeitende, die mit KI umgehen können. Cloud-Anwendungen nutzen dagegen 56 Prozent.

Der Abstand ist eine Chance. Wer früh anfängt, gewinnt Zeit am Schreibtisch, die dem Betrieb abends und am Wochenende fehlt. Die fünf Aufgaben unten gehen heute schon und brauchen keine Großinvestition.

Dahinter steht kein Technikproblem. Viele Betriebe haben schlicht keine Zeit, etwas Neues einzuführen, weil das Tagesgeschäft läuft. Deshalb sollte jede Lösung klein anfangen und sich in der ersten Woche bezahlt machen, ohne den Betrieb umzubauen.

1. Anfragen aufnehmen

Ein Agent nimmt Anfragen aus Formular, Mail oder Telefon an und fragt nach, was Sie für eine Entscheidung brauchen. Beim Dachdecker sind das Adresse, Schadensbild und Fotos, beim Elektriker bei einer Wallbox die Entfernung zum Zählerschrank. Sie sehen eine Zusammenfassung statt zehn Rückrufbitten.

Spricht der Agent am Telefon, muss das Gegenüber erkennen können, dass es mit einer KI redet. Das verlangt Artikel 50 des AI Act, dessen Transparenzpflichten seit dem 2. August 2026 gelten.

Gerade bei Notfällen hilft die Sortierung. Nach einem Sturm melden sich viele auf einmal, und die Frage, wer ein offenes Dach hat, entscheidet über die Reihenfolge der Einsätze. Die Planung der Tour bestätigen Sie.

Spricht der Agent am Telefon nur in Randzeiten, etwa abends und am Wochenende, reicht oft schon diese Lösung. Sie verpassen weniger Anfragen, ohne dass tagsüber etwas anders läuft. Mehr dazu steht im Artikel zum Telefonassistenten.

2. Aufmaß per Sprachnotiz

Auf dem Dach oder im Keller sprechen Sie Maße, Zustand und Besonderheiten ins Handy. Der Agent macht daraus ein strukturiertes Aufmaß mit Positionen und Mengen und markiert, was unklar blieb. Maße aus einem Foto schätzt er nicht. Es zählt, was Sie gemessen haben.

Abends tippen müssen Sie dann nichts mehr. Sie prüfen die Mengen, bevor sie ins Angebot gehen.

Ohne Empfang auf der Baustelle lassen sich Sprachnotizen aufnehmen und später hochladen. Der Entwurf entsteht, sobald sie ankommen. Fotos gehören dazu, denn sie belegen den Zustand, falls der Kunde später nachfragt.

3. Angebot als Entwurf

Aus Aufmaß und Ihrem Leistungskatalog entsteht ein Angebotsentwurf mit Ihren Zuschlägen für Gerüst oder Anfahrt. Sie ändern, was Sie anders sehen, und schicken ihn ab. Ein Angebot am selben oder nächsten Tag ist bei vielen Kunden der Unterschied zum Auftrag.

Preise denkt sich der Agent nicht aus. Er nimmt nur, was in Ihrem Katalog und Ihren Regeln steht.

Bei Sturmschäden bereitet der Agent Fotos, Schadensbeschreibung und Angebot für die Versicherung als Entwurf vor. Reguliert wird dort, nicht bei Ihnen. Das spart die Zusammenstellung der Unterlagen, die sonst abends liegen bleibt.

Wie ein Angebot aufgebaut ist, bestimmen Sie. Aufbau, Textbausteine und Gliederung nach Gewerken legen Sie einmal fest, danach hält sich der Agent daran und liefert jedes Mal denselben Stil.

4. Nachfassen

Ein Angebot ohne Antwort verschwindet schnell im Tagesgeschäft. Der Agent merkt sich offene Angebote und schreibt nach einer Woche einen freundlichen Nachfass-Entwurf. Sie lesen, geben frei und behalten den Ton im Griff.

Es sind Kleinigkeiten, aber sie summieren sich über das Jahr zu Aufträgen, die sonst liegen geblieben wären.

Ein Nachfass, der wie ein Serienbrief klingt, schadet mehr, als er nützt. Deshalb schreibt der Agent in Ihrer Sprache und mit Bezug auf das, was der Kunde angefragt hat.

5. Belege und Rechnungen ablegen

Lieferantenrechnungen kommen per Mail und müssen zum Auftrag und in die Buchhaltung. Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Unternehmen E-Rechnungen empfangen können, ein Postfach genügt laut DIHK. Die Pflicht zur Ausstellung gilt ab 2028 für alle, Betriebe mit einem Gesamtumsatz bis 800.000 Euro im Jahr 2026 dürfen bis Ende 2027 noch beim PDF bleiben. Kleinunternehmer sind von der Ausstellungspflicht ausgenommen.

Ein Agent erkennt Rechnungen, ordnet sie dem Auftrag zu und legt sie ab. Gebucht wird weiter in Ihrer Software oder beim Steuerberater.

Der Meister bleibt Entscheider. Preis, Termin und Zusagen gehen erst nach seinem Okay raus. Der Agent bereitet vor und erinnert, den Handschlag mit dem Kunden macht er nicht.

Der Einstieg

Welche der fünf Aufgaben bei Ihnen die meiste Zeit frisst, hängt vom Gewerk ab. Für Dachdecker, Elektrobetriebe und SHK gibt es eigene Seiten, die Sie über Handwerk erreichen. Der Betriebs-Check zeigt in zwei Minuten, wo Sie anfangen sollten.

Wenn Sie nur eine Aufgabe auswählen, beginnen Sie mit der, die Sie am häufigsten abends erledigen. Das ist meist die Angebotsschreibung oder das Aufmaß. Dort ist der Gewinn am leichtesten zu sehen.

Häufige Fragen

Kann KI Maße aus einem Foto abnehmen?

Nein. Maße kommen aus Ihrer Messung oder Ihrer Sprachnotiz. Der Agent ordnet sie, rechnet Mengen und fragt bei Lücken nach.

Läuft das mit meiner Handwerkersoftware?

Das klärt der Analyse-Tag. Katalog, Kundenstamm und Angebotsvorlagen binden wir an, soweit Ihr System Schnittstelle oder Export hergibt.

Muss ich als Handwerker E-Rechnungen schreiben?

Empfangen müssen Sie sie seit 2025. Die Ausstellung ist ab 2028 für alle Pflicht, bei Umsätzen bis 800.000 Euro gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2027. Kleinunternehmer sind ausgenommen.

Lohnt sich das für einen Betrieb mit wenigen Anfragen?

Das hängt vom Anfragevolumen ab. Rechnen Sie Anfragen pro Woche mal Minuten pro Rückfrage. Trägt es sich nicht, sagen wir Ihnen das offen.

Lieber kurz reden?

Ich sage Ihnen in 30 Minuten, ob sich das bei Ihnen lohnt.